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Ladyfest Leipzig

Willkommen:

Feminist_innen, Frauen, Lesben, Queers, Transgender und Menschen, die sich kritisch und konstruktiv mit Geschlechterrollen und -konstruktionen auseinandersetzen oder dies vorhaben!

Wir Ladies

Die Organisationscrew des Ladyfests Leipzig 2011 ist eine Gruppe von Menschen, die sich in irgendeiner Weise als "Frauen" definieren und aus ganz verschiedenen Hintergründen kommen. Wir haben uns zusammengetan, um 2011 endlich wieder ein Ladyfest in Leipzig stattfinden zu lassen.

Warum Ladyfest?

Fangen wir so an: Wir werden geboren. Wir bekommen einen Namen. Einen Namen, der eindeutig ist – so wie es das Gesetz vorgibt. Eindeutig heißt: Wir werden anhand vermeintlich biologischer Wahrheiten einer der beiden Kategorien männlich oder weiblich zugewiesen. Diese Kategorisierung geschieht selbst dann, wenn ein Geschlecht nicht eindeutig bestimmbar ist. Frei nach dem Motto: Was nicht passt wird passend gemacht.
Okay, aber wo genau liegt das Problem? Mit der Zuweisung zu einer der beiden Kategorien geht die Zuschreibung bestimmter Eigenschaften und Rollen einher, die wir von frühster Kindheit an erlernen. Diese sind gebunden an ein Macht- und Herrschaftsverhältnis, in das wir hineingeboren werden und das wir so von Beginn an verinnerlichen.

Weiblich wahrgenommene Menschen erfahren häufig Diskriminierungen aufgrund ihres Geschlechts. Auch wenn Frauen und Männer heute formell gleichberechtigt sind, bestehen weiterhin gravierende Ungleichheiten. Bekannte Beispiele hierfür sind, dass Frauen nach wie vor in höheren beruflichen Positionen unterrepräsentiert sind, weniger Geld verdienen, ihre Arbeit geringer geschätzt wird. Weiterhin sind sie traditionell für Haushalt und Kinderversorgung zuständig. Die Doppelbelastung von Beruf und Familie tragen also immer noch sie zum großen Teil auf ihren Schultern. Auch physische und psychische Gewalt treffen vornehmlich Frauen.

Werfen wir nun einen Blick auf unser Umfeld, auf den linken und selbstorganisierten (sub-)kulturellen Kontext, in dem wir uns bewegen und politisch agieren, dann stellen wir fest: Hier dampft die gleiche Kacke! Dies ist nun nicht verwunderlich, steht doch diese "Szene", nicht außerhalb der Gesellschaft, so dass sich auch hier die beschriebenen Verhältnisse widerspiegeln. Sei es in Politgruppen, auf Konzerten und Partys, im künstlerisch-kreativen Bereich oder im Skatepark, überall dort treffen wir auf die gleichen Muster und Strukturen. Männlich belegte Verhaltensweisen bestimmen viele dieser Räume. Während z.B. bei Konzerten meist Männer auf der Bühne stehen, sich um Technik und Booking kümmern, bleiben Frauen häufig eher im Hintergrund, kochen Bandessen und stehen am Tresen. Durch die Dominanz männlich wahrgenommener Personen bzw. deren Verhaltenscodes werden andere ausgeschlossen. "Mach doch einfach!" ist an dieser Stelle kein Argument. Immerhin werden wir mit diesen Rollenverteilungen groß.

Mädchen und Frauen haben weitaus weniger Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln. Greifen wir noch mal das Beispiel mit den Bands auf: Ein Großteil der Bands besteht aus männlich wahrgenommenen Mitgliedern. So fehlen früh entsprechende Vorbilder. Daraus folgen nicht selten Unsicherheiten, ein geringeres Selbstbewusstsein und die Angst, sich zu blamieren. Hinzu begegnen Mädchen und Frauen häufig blöden Vorurteile à la "Frauen und Technik...". In vielen Bereichen werden sie nicht ernst genommen, was sie wiederum hemmt, sich einfach mal auszuprobieren, aktiv einzubringen und so Interessen und Fähigkeiten zu entdecken und auszuleben. Viele Frauen und Mädchen, die in solchen Männerdomänen aktiv sind, müssen sie sich dann oftmals doppelt beweisen, sie müssen "besonders gut sein", um akzeptiert zu werden.

Ladyfest Leipzig 2011

Und da sich diese Verhältnisse nun einmal nicht von ganz allein ändern, haben wir uns entschieden, im Jahr 2011 endlich wieder ein Ladyfest in Leipzig stattfinden zu lassen. Das Ladyfest ist ein feministisches, unkommerzielles, subkulturelles, d.i.y.-Festival, das seinen Ursprung im Jahr 2000 in den USA hat. Ein Ladyfest bietet uns die Möglichkeit, Räume und Orte, die größtenteils "männlich" belegt sind, einzunehmen und umzudefinieren. Einfach gesagt: Freiräume zu schaffen.
Im Rahmen verschiedener Veranstaltungen (Konzerte, Workshops, Vorträge, Ausstellungen) wollen wir Feminist_innen, Frauen, Lesben, Trans und Queers dazu ermutigen, sich kreativ auszuprobieren, (queer-)feministische Politik zu betreiben, voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu inspirieren, sich auszutauschen und zu vernetzen. Und dies ganz ohne Druck: frei von kapitalistischen Zwängen, ohne Hierarchien und Diskriminierungen jeglicher Art. Wir möchten einen Rahmen schaffen, in dem Interessen ausgelebt werden, in dem Ihr Eure Talente anderen zeigen, präsent sein und neue Vorbilder schaffen könnt. Bühne, Misch- und Redner_innenpult, Technik und ein Ausstellungsraum gehören vom 19.5. bis zum 22.05.11 ganz allein Euch!
Also lasst uns die "klassisch" männlich dominierten Räume smashen. Stellt Euch selbst hinter die Technik, stürmt die Bühne, schraubt selbst an Autos und Fahrrädern, dreht Euren eigenen Film, erstellt Euer ganz eigenes Fanzine oder sucht die theoretische Auseinandersetzung mit dem (queer-)feministischen Kontext. All diese Möglichkeiten wird es geben. Schaut in unser Programm und seid dabei! Wir freuen uns auf Euch!

http://ladyfestleipzig2011.blogsport.de
http://www.myspace.com/ladyfestleipzig

Links zu weiteren interessanten Texten

local stuff

vorbereitender text zum ersten ladyfest 2004 in leipzig.
über gruppenstrukturen und die unmöglichkeit gemeinsamen agierens von frauen und männern ohne reflexion der eigenen positionen. egal in welchen zusammenhängen. http://www.conne-island.de/nf/98/20.html

proud to be a feminist.
ladyfest in leipzig - geil, na endlich! problem also erkannt, fehler bald behoben? schön wär's. aber wohin die reise in sachen clubkultur geht, wer mit ins boot kommt und wer ans steuer darf, bleibt noch auszuhandeln. http://www.conne-island.de/nf/100/21.html

vertreterInnen des conne islands sprachen mit verschiedenen organisatorinnen des ladyfestes. die gruppe hat sich für das ladyfest neu gegründet und besteht aus frauen aus ganz verschiedenen Umgebungen. http://www.conne-island.de/nf/101/5.html

evergreens

referat von tine plesch, autorin und reaktionsmitglied der //Testcard//. unter berufung auf dekonstruktivistische vordenker und vordenkerinnen hält sich hartnäckig die annahme, popkultur könnte aus sich heraus mit "tradierten werten und konstrukten wie rasse, nation, geschlecht brechen." das dem nicht so ist, ist keine neue erkenntnis, wird jedoch am vorliegenden beispiel recht deutlich von tine plesch ausgeführt. http://www.conne-island.de/nf/101/11.html

roswitha scholz// der wert ist der mann
thesen zu wertvergesellschaftung und geschlechterverhältnis

den pelz gehörig gegen den strich bürsten. im folgenden soll im 1.teil ein einblick in die wohl in mehrfacher hinsicht bemerkenswerte gesellschaftskritik - dem wert-abspaltungs-ansatz von roswitha scholz aus der KRISIS-Gruppe - gegeben werden. http://www.conne-island.de/nf/83/25.html