Workshop Achtung zweiteilig!

Tanz/Choreografie

Wagenplatz Connewitz

Achtung, zweiteilig!
Freitag, 19.05., 12-18 Uhr (bei passender Motivation gern auch länger)
Samstag, 20.05., 10:30-13 Uhr, abends: Aufführung @ZXRX

Eingeladen sind: Alle Menschen, die in der Lage sind einander zu achten
Teilnehmer*innenzahl: ab 2 bis max. 12
Vorkentnisse im Bühnentanz sind nicht erforderlich. Ich erwarte von euch keinen Spagat, dafür den Willen und die Lust, tanzen und sich ausdrücken zu wollen.

Wir werden ein kleines Tanzstück auf die Beine stellen und am Ende vorführen. Wir arbeiten mit verschiedenen TanzimprovsationsTechniken an einem Thema das ich aufgrund der Vorbereitung leider vorgeben werde. Wie kann der Körper Geschichten erzählen ohne zu sprechen und ohne pantomimisch darzustellen? Wir werden die Ausdruckskraft der Körpersprache erwecken, mit und an ihr arbeiten. Bewegte Bilder schaffen. Ihr werdet überrascht sein, wie schnell und einfach durch bestimmte Techniken ausdrucksstarkes choreografisches Material entsteht.

Als erstes werden wir uns unserer eigenen Körperwahrnehmung zuwenden und uns auf die choreografische Arbeit vorbereiten. Es geht darum, den Körper warm zu machen, Bewegungspotential kennen zu lernen und vor allem als erstes einmal Blockaden abzubauen und uns frei zu machen vom Alltag und von Berührungsängsten mit dem „körperlichen Laufen lassen“ und eventueller Scham.

Wir werden kurze choreografische Sequenzen tanzen, um den Körper zu erwecken und warm zu halten. Im Laufe des Tages werden wir dann selbst Sequenzen entwickeln, teils in Paararbeit, teils in Gruppenarbeit, die später zu einer Gesamtchoreografie zusammengefasst werden. Die Sequenzen werden durch verschiedenene Improvisationstechniken gefunden, die ich anleite und strukturiere. Wir machen uns dafür verschiedene choreografische Prinzipien zunutze, um Bewegungen zu finden und zu modifizieren.

Tanz ist nicht nur die stumpfe Abfolge von einstudierten Bewegungen, Tanz ist Ausdruck! Daher braucht ihr keine Vorerfahrung im Tanz. Ihr braucht nur den Willen, tanzen zu wollen. Eine kleine Bewegung kann sehr ausdrucksstark sein, wenn ihr etwas in ihr seht und hineingebt.

Wir werden mit Tanztechniken aus dem Contemporary Dance, Contact Improvisation, Impro-und Isolationstechniken und viel mit dem Boden arbeiten. Wenn ihr Knieschoner habt, bringt sie ruhig mit, für Anfänger`*innen können sie durchaus nützlich sein.

Tanz eröffnet neue Ebenen, so wird Raum z. B. immer wieder neu konstruiert (so wie auch wir uns im Tanz neu konstruieren können) und löst bisweilen seine Dreidimensionalität auf. Auch diese Prinzipien von Vierdimensionalität machen wir uns zunutze , indem wir den sichtbaren drei eine meist unsichbare vierte Dimension im Raum hinzufügen. Dies kann Bewegung, Zeit, Dynamik, innerer und äußerer Raum , Emotion oder Musik sein. Und genau dadurch wird trotz abstraktem Arbeiten im Tanz eine Thematik sichtbar und erlebbar. Der Raum wird mit Inhalt gefüllt, wie mit einem Stift zeichnen wir mit unseren Körpern in den Raum und erzählen, was uns bewegt – und es wird die Zuschauer*innen bewegen, ohne dass sie unbedingt wissen warum.

Wir werden die Choreografie vorführen. Je nachdem wie wir arbeiten, kann ein kurzes Stück enstehen. Unter Umständen kann es aber auch passieren, dass es schnell sehr lang wird, da es tatsächlich verblüffend ist, wie schnell gute Kompositionen entstehen. Ich würde die Länge aber auf 20 Minuten minimieren.

Thema:
Wir befassen uns mit dem Thema eingepfercht zu sein, eingepfercht in einem Körper, in einem Rollenbild. Was wird von uns verlangt und was sind wir in der herrschenden zweigeschlechtlichen Einteilung als Frau oder Mann? Wir kommen zur Welt wie ein unbeschriebenes blatt. Im Laufe der Zeit wird der Zettel gefüllt und anstatt die eigene Geschichte zu schreiben, wird immer wieder von außen dran rumradiert, Sätze hinzugefügt und ganze Seiten voll geschrieben mit dem, wie du als Mensch sein sollst und dich zu verhalten hast.

Ich gehe von dem Standpunkt der inneren Gleichheit der verschiedensten biologischen Geschlechter aus und werde dies als Ausgangspunkt für das choreografische Arbeiten benutzen. In verschiedenen Impros soll erforscht werden, welche Mechanismen es gibt, die diese Gleichheit zerstören. Was presst uns in Rollen? Und wann fängt es an? Was macht uns zu einem Mann oder einer Frau? Und was ist, wenn ich mich gar nicht fühle, wie es mir das klassische gesellschaftliche Frauen/Männerbild, mit dem ich aufwachse, vorgibt? Wie kann aus diesem Gitter ausgebrochen und Geschlechter dekonstruiert werden? Wie kann ich mich selber erfinden als das, was ich empfinde und bin?

All diese Fragen werden wir in Bewegung umsetzen und collagenartig ein Tanzstück zusammenstellen, das diese Thematik berührt.

Eine kleine Warnung:
Es wird viel Körperkontakt geben, auch sehr engen, bisweilen intim anmutenden, der aber vollständig frei von einem sexualisierten Kontex ist. Dennoch kann es schwierig sein für manche Menschen, mit unbekannten anderen so viel Körperkontakt zuzulassen. Wenn ihr damit ein Problem habt, entscheidet euch entweder gegen den Workshop oder lasst euch bewusst darauf ein und kommuniziert es bitte mit mir und der Gruppe, dass ihr da vorsichtig sein müsst. Wenn etwas zuviel ist, könnt ihr euch immer rausziehen, ohne dass euch wer doof anschaut oder fragt, und wieder einsteigen, wenn es wieder passt. Es passiert oft beim Tanzen, dass Leute einfach anfangen zu weinen, da emotional viel passiert und manchmal Bereiche im Körper und der Seele berührt werden, die wir in unserem Alltag nicht erreichen. Tanzen kann sehr viel auslösen. Das ist ok und auch gut so! Aber nehmt euch euren Raum, den ihr braucht, hört auf euch und zwingt euch zu nichts.

Die Arbeit mit einer Kamera ist unumgänglich für den Workshop. Damit Sequenzen nicht verloren gehen und wir sie hinterher wieder nachtanzen können, werden die Zwischenergebnisse der Arbeitsabschnitte mit der Kamera festgehalten. Es muss also für euch ok sein, wenn ihr gefilmt werdet. Auch das Stück würde ich sehr gerne filmen, darüber werden wir aber im Workshop zusammen entscheiden.